Der heute universelle Langbinder ist die historisch zuletzt entstandene Krawattenform. Der Siegeszug
der modernen Krawatte begann mit dem allmählichen Verschwinden des Stehkragens und dem ebenso
allmählichen Erscheinen des weicheren Umlegekragens.
Der Ursprung der Krawatte ist unklar. Sie war um 1860 herum plötzlich da. Die gegen Ende des 19.
Jahrhunderts in Frankreich und England üblichen Bezeichnungen lassen jedoch einige Vermutungen zu.
Im vereinigten Königreich sprach man damals von der Four in hand, während in Frankreich die Krawatte
als Regate bekannt war. Beide Bezeichnungen stammen aus dem sportlichen Bereich, was als Hinweis auf
die Gelegenheiten verstanden werden kann, zu denen sie getragen wurden.
Four in hand hat im Englischen die Bedeutung von "vierspännig fahren". Im London des 19. Jahrhunderts
existierte ein Four in hand club, der von Anhängern vierspänniger Kutschenrennen gegründet worden war.
Er galt als Treffpunkt der Dandys, die sich unter anderem auch darin gefielen, neue Moden zu erfinden
und auszuprobieren. Vermutlich hatten sie als erste den Einfall, eine Krawatte mit einem Knoten zu binden,
der auch für die Zügel des Gespanns verwendet wurde.
Gleichzeitig war dieser Knoten unter Seeleuten recht beliebt; da er sehr zuverlässig ist, wurde er oft
zum provisorischen Vertäuen verwendet. Sei es wegen seines nautischen Ursprungs, sei es, weil die
Yachtsmen ihre Krawatten damit banden, erhielt er in Frankreich den Namen Régate.
Die Tatsache, dass beide Bezeichnungen mit sportlichen Assoziationen verbunden sind, ist sicherlich kein
Zufall. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es undenkbar, dass jemand, der etwas auf sich
hielt, ohne irgendeine Form von Halsbinde das Haus verließ. Natürlich wollte man daher auch bei sportlichen
Betätigungen, wie anstrengend sie auch gewesen sein mochten, nicht auf dieses Accessoire verzichten.
Als sich Sportarten wie Tennis, Segeln und Golfspielen verbreiteten, empfanden viele die Ascot-Krawatten
als hinderlich, weil selbst die schönsten Schleifen unter dem Einfluss heftiger Körperbewegungen zur
Auflösung neigten. Die ideale Lösung bot der Four in hand, dessen Beliebtheit daher rasch wuchs.
Anfangs bestand die Krawatte aus einem einfachen Stoffstreifen, der dann bs zur heutigen Form verfeinert
und bearbeitet wurde. Breite und Länge wechselten mit den Gezeiten der Mode, doch die Grundgestalt blieb
im Wesentlichen die gleiche: zwei Stoffstreifen, die von einem Knoten glatt herabhängen, bis sie - nach
Meinung der meisten - den Gürtel berühren. Zu Zeiten, als Westen noch sehr beliebt waren, fielen sie recht
kurz aus und reichten kaum bis unter das Brustbein.
Heute enden Krawatten oft erst ein Stück unterhalb des Gürtels, wenn sie nicht gar in den Schritt ihres Trägers
baumeln. Im Zweifelsfall möge man sich an den Rat der "Klassischen Schule" erinnern: "Unter einer zu kurzen
und einer zu langen Krawatte wähle man die kürzere."
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